Patchworkstoffe und Quiltstoffe - Anleitung zum Patchwork nähen


Handquilting

Fein gewebter, weicher Stoff eignet sich an besten als Patchwork- oder
Quiltstoff fürs Handquilten. Auf preiswerte Baumwollstoffe, sowie
Dekorationsstoffe sollte man verzichten, da sie zu dick und grob gewebt
sind. Jacquardstoffe und Baumwolle/Polyestermischgewebe sind ebenfalls
ungeeignet. Beim Jacquardstoff ist Handquilting kaum sichtbar und bei
Mischgewebe verzieht sich der Patchworkstoff gerne und es macht Mühe
mit der Nadel einzustechen. Alle Patchworkstoffe solltne zuerst gewaschen
werden, um sie auf Farbechtheit zu überprüfen und um keine böse Über-
raschung bei der ersten Wäsche zu erleben. Auch die Appretur sollte
rausgewaschen sein.

Quilting des Quilttop

Beim Quilttop sollten vor dem Quilting die überstehenden Nähfäden ab-
geschnitten werden. Besonders dunkle Fäden scheinen durch ein helles
Top beim Quilting. Auch sollten Ecken von gepatchten Dreiecken bis zur
Nahtzugabe abgeschnitten werden. Denn es ist einfacher eine gerade
Quiltlinie zu halten, wenn man nicht über eine solche Ecke quilten muss.
Die Nahtzugabe sollte immer in eine Richtung und zum dunklen Stoff hin
gebügelt werden, wenn es möglich ist.

Manchmal ist es nötig bei einem größeren Patchwork Stoffstücke zusam-
menzusetzen. Sei es für die Rückseite oder die Vorderseite (Wholeclothquilt).
Dabei achtet man darauf, dass die Naht niemals durch die Mitte verläuft,
denn sie ist viel deutlicher zu sehen als eine seitliche. Bei größeren Flächen
eines Patchworkstoffes empfiehlt es sich die Nähte offen zu bügeln.

Quilting-Rückseite

Hier sollte man nicht die preiswerten Patchworkstoffe wählen. Es erscheint
zwar unsinnig, wenn der Quilt hinterher an der Wand hängt, aber man hatte
bestimmt sehr viel Arbeit und blutige Finger. Bei einfarbigen Quiltstoffen ist
Patchwork natürlich besser zu sehen als bei einen gemustertem Quiltstoff.
Die Webkanten sollte man bei allen Stoffen abschneiden, denn es ist sehr
schwer über sie hinweg zu quilten.

Quilting-Einlagen

Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten die von Verwendungszweck und
Geschmack abhängen. Polyester- und Wollvliese sind für Decken besser
geeignet da sie mehr wärmen. Baumwollvliese sind kühler aber für Wand-
behänge optimal.

Polyestervliese

...gibt es in verschiedenen Stärken und Breiten. Die mittleren und dünnen
Stärken eignen sich gut fürs quilting, dickere Vliese lassen sich schwerer
heften und in den Rahmen einspannen.

Wollvliese

...sind nicht sehr preiswert aber lassen sich immer leicht quilten. Allergiker
bevorzugen dieses Material. Reine Baumwollvliese sind heute so präpa-
riert, dass sie beim Waschen nicht mehr klumpen. Auch sie lassen sich gut
quilten und wenn man das fertige Patchwork wäscht, entsteht der soge-
nannte "Crinkle-Effekt". Das Vlies läuft etwas ein und es entsteht ein antiker
Touch. Wird dieser Effekt nicht erwünscht sollte man das Vlies vor dem
Quilting waschen.

Baumwolle/Polyestermischgewebe

...laufen auch ein. Bei diesem Material gibt es Unterschiede bei den Her-
stellern. Manche lassen sich leicht quilten und manche schwerer. Hier ist
Ausprobieren angesagt. Für alle Füllmaterialien gilt, wenn sie zusammen-
gesetzt werden müssen, stumpf aneinanderlegen und mit großem Zickzack-
stich zusammennähen. Es entsteht keine dicke Naht.

Heften der Quiltstoffe

Man kann Heftfaden oder Sicherheitsnadeln benutzen, obwohl bei
Letzterem die Nadeln öfter versetzt werden müssen, wenn das Patchwork
in einen Quiltrahmen eingespannt wird. Mit der linken Seite nach oben
wird die Rückseite auf dem Fußboden, Teppich oder Tisch festgeklebt
oder mit Steck-Nadeln fixiert. Der Stoff sollte möglichst glatt liegen. Nun
wird das Vlies auf die Rückseite gelegt und darauf das Quilttop mit der
rechten Seite nach oben. Alle Falten glatt streichen. Rückseite und Vlies
sollten 10 cm größer sein als das Top. Dieses erleichtert später das Quilten
am Rand. Egal ob Raster oder sternenförmig, man beginnt immer in der
Mitte und heftet zum Rand. Wer lieber Sprühkleber benutzt, sollte danach
24 Stunden warten. Erst dann lässt sich problemlos quilten.

Werkzeuge für Patchwork

Zum Quilting sind relativ wenige Werkzeuge nötig. Wichtig ist, dass man
aus eigener Erfahrung und durch Ausprobieren das richtige Werkzeug für
seine Patchwork-Arbeitsweise findet. Jeder Quilter hat dabei wohl seine
ganz persönlichen Zu- und Abneigungen.

Patchwork-Nadeln

Quiltnadeln oder "Betweens" werden speziell fürs Quilting hergestellt. Es
gibt sie in den Größen 7 bis 12. Je höher die Nummer, desto feiner und
kürzer sind sie und desto kleiner wird auch das Nadelöhr. Aber mit
kleineren Nadeln macht man nicht unbedingt kleinere Stiche. Es ist ein-
facher die Nadel zu kippen, wenn sie kürzer ist. Man sollte ruhig so lange
herumprobieren, bis man das Beste für sich herausgefunden hat. Jede
Nadel ist anders. Mit der Zeit merkt man, ob die Nadel zu groß oder zu
klein ist. Hauptsache, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Man sagt den
Nadeln mit goldenem Öhr nach sie ließen sich besser einfädeln. Wenn es
mit dem Einfädeln nicht so recht klappt, könnte man versuchen den Faden
etwas schräg zu schneiden, oder mal die Nadeln nass machen anstatt
den Faden.

Patchwork-Garn

Quilting-Garn gibt es auch von verschiedenen Herstellern und in verschiede-
nen Zusammensetzungen. Entweder in 100% Baumwolle oder aus einem mit
Baumwolle ummantelten Polyesterkern. Die Garne fürs Handquilting sind
gewachst, damit sie nicht verknoten und durch das häufige Durchziehen durch
den Stoff nicht reißen. Welche Farbe man nimmt ist Geschmackssache. Ton
in Ton ist genau so attraktiv wie Kontrast. Nur bei dunklem Garn auf hellem
Untergrund sollte man aufpassen, dass der Anfang und das Ende eines Fadens
durch Top und Vlies gezogen wurde. Handquiltgarn bitte niemals zum Maschi-
nenquilten (machine quilting) benutzen. Die Nähmaschine geht davon kaputt,
d.h. der Faden gleitet nicht mehr problemlos.

Die heute im Handel angebotenen Handquiltgarne sind schon gewachst.
Zusätzlich gibt es Garne die fürs Handquilting und Machine Quilting benutzt
werden können. Dieses Garn ist nicht gewachst.

Wer sein Garn lieber selber wachst, für den gibt es im Handel spezielle
Bienenwachsscheiben in einer Kunststoffhülle. Der Faden wird einfach hin-
durchgezogen. Aber auch mit ungewachsten Garn lässt sich gut quilten.
Der Faden darf eben nicht so lang sein.

Fingerhut

Ob man einen Fingerhut braucht oder nicht, hängt ganz davon ab, wie man
quiltet und was man quiltet. Metallfingerhüte sind am langlebigsten, können
aber in Einzelfällen Hautausschläge verursachen. Lederfingerhüte sind zwar
atmungsaktiv, haben aber spätestens nach zwei Wochen ein großes Loch und
sind nicht mehr zu gebrauchen. Dann gibt es noch eine Methode bei der zwei
Porzellan-Fingerhüte benötigt werden. Einen an der Hand, die unter dem
Patchwork liegt, der andere an der nähenden Hand. Im Laufe der Zeit kann
man einen Bewegungsablauf entwickeln, bei dem man die Nadel nicht mehr
anschieben muss und somit keinen Fingerhut benötigt.

Quiltrahmen

Quiltrahmen sind eigentlich auch unverzichtbar. Zwar könnte man kleinere
Patchworks ohne quilten, aber bei Größen ab 1m x 1m lässt sich ein drei-
lagiges Top nur noch schwer mit der Hand packen ohne das auf der Rück-
seite Falten entstehen.
Ein runder Quiltrahmen mit ca. 35-40 cm Durchmesser eignet sich als Erst-
ausstattung sehr gut. Man erreicht eine gleichmäßige Spannung und es gibt
keine Probleme mit der Faltenbildung. Bei größeren Quiltrahmen ist das
Quiltmuster zwar gut zu sehen, aber wegen der Größe sind diese Quiltrahmen
schwerer zu handhaben.
Ovale Quiltrahmen eignen sich gut zum Quilting der Ränder.
Quiltrahmen mit Ständer sind zwar recht teuer, haben aber den Vorteil, dass
das Patwork auf dem Quiltrahmen lastet und nicht auf den Schultern. Hierbei
sollte man darauf achten, dass das Modell ein Kugelgelenk hat zum Drehen
und Neigen. Es erleichtert das Quilting enorm, als wenn man ein starres
Modell kauft, welches etwas preiswerter ist.
Außer Quiltrahmen aus Holz gibt es auch Kunststoffmodelle. Auf diese aus
PVC- Rohren mit Eckverbindungen zusammengesteckten Modellen, werden
Spannclips zur Befestigung des Patchwork benutzt. Für die Reise ganz akzep-
tabel.
Für größere Quiltrahmen, sogenannten Quilting Frames, an denen mehrere
Personen gleichzeitig arbeiten, ist ein Heften des Patchwork nicht notwendig.
Das Patchwork wird auf Stangen befestigt und aufgerollt. Hierbei muss man
in alle Richtungen quilten können, da dieser Quiltrahmen nicht gedreht werden
kann.

Markieren des Quilttops

Eines der großen Probleme beim Quilting. Es gibt wohl keine optimale Lösung
für alle Probleme. Wichtig ist, dass die Markierung auf dem Quiltstoff so lange
sichtbar ist, bis das Quilten beendet ist und sich später leicht entfernen lässt.

Quilt-Bleistifte

Mit einer feinen, hellen Bleistiftmine lassen sich Quiltmuster gut auf helle Stoffe
übertragen. Der Bleistift sollte möglichst hart sein (2H), darf den Stoff beim
Zeichnen aber nicht beschädigen. Ein zu weicher Bleistift schmiert stark und
verschmutzt das Quilting-Garn. Gut geeignet sind Druckbleistifte. Sie müssen
nicht angespitzt werden und erzeugen eine dünne Linie. Es gibt Spezialminen für
Stoffe, die mit einem Stoffradiergummi entfernt werden. Die dünne Linie wird
beim Quilting gut durch das Garn abgedeckt.

Quilt-Buntstifte

Es gibt sie in allen möglichen Farben und Qualitäten. Man kann eine Farbe
wählen, die der des Garns entspricht, so dass die Linie des Stiftes gut im
Nahtschatten der Quiltnaht verschwindet. Leider muss man Buntstifte oft
anspitzen, da sie sehr schnell abnutzen und stumpf werden. Aquarellbuntstifte
sind optimal, da sie wasserlöslich sind, allerdings auch etwas teurer.

Quilt-Kreidestifte

Sie eignen sich gut für dunkle Stoffe sowie immer dann, wenn die Markierung
nicht lange halten muss, also bei kleineren Patchworks oder spontanen
Ergänzungen des Musterentwurfs. Kreidestift lassen sich durch Bürsten
leicht entfernen.

Quilt-Silberstifte

Sie werden speziell im Quiltzubehör angeboten und eignen sich für helle
Quiltstoffe, sind aber manchmal etwas schlecht zu sehen. Wenn beim
Auftragen zu viel Druck ausgeübt wird sind sie sehr schlecht zu entfernen.

Wasserlösliche Quilt-Filzstifte

Auch sie erfreuen sich mittlerweile großer Beliebtheit. Sie eignen sich für
helle und mittelhelle Quiltstoffe und hinterlassen eine ziemlich dicke Linie,
die nach dem Quilting mit einem nassen Tuch oder durch besprühen mit
Wasser entfernt werden kann. Leider können die Linien nach einiger Zeit
wieder sichtbar werden. Deshalb ist es notwendig das Patchwork nach
dem Quilting vollständig durchs Wasser zu ziehen oder zu waschen. Hitze-
einwirkung wie Bügeln brennt die Farbe regelrecht in den Quiltstoff ein, so
dass die Markierung nicht mehr zu entfernen ist.

Quilt-Phantomstifte

Sie haben eine ähnliche Funktion wie die Filzstifte, die Markierung ver-
schwindet aber nach einiger Zeit von selber und ohne Wassereinwirkung.

Needlemarking/Scratching

Diese Methode hat den großen Vorteil, dass keine farbliche Markierung
auf dem Patchworkstoff sichtbar bleiben, die entfernt werden müssen. Die
Markierung ist allerdings nicht lange haltbar und eignet sich nur für kurzfristige
Kennzeichnung auf kleinen Flächen. Mit einer Art Kunststoffspachtel lassen
sich leichte Rillen auftragen welche dann nachgequiltet werden.

Klebeband

Für Hintergrundgitter oder gerade Linien ist Klebeband ein nützliches Hilfs-
mittel. Man klebt es auf den Patchworkstoff und quiltet an seiner Kante
entlang. Man spart sich das Vorzeichnen auf dem Stoff. Das Klebeband nur
so lange auf dem Patchworkstoff lassen wie unbedingt nötig. Der Klebstoff
kann sonst haften bleiben und hinterläßt nur schwer zu entfernende Spuren.

Plastikschablonen

Es gibt sie inzwischen in großer Vielfalt im Handel zu kaufen und sie sind für
den Anfang wohl am besten geeignet, um schöne Muster ohne großen
Aufwand auf das Quilttop zu übertragen. Man kann diese Schablonen auch
selber herstellen, das dazu gebrauchte Material ist im Fachhandel erhältlich.


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